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Freinetpädagogik
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Allgemein
Die Freinetpädagogik ist eine reformpädagogische Bewegung, gegründet vom französischen Lehrer Célestin Freinet (1896-1966) in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie hat sich zu einer weltweit verbreiteten Gesinnungsgemeinschaft von LehrerInnen entwickelt. Hierbei handelt es sich nicht um ein abgeschlossenes pädagogisch-didaktisches Konzept mit „fertigen“ Arbeitsmaterialien und Methoden. Bei der Freinetpädagogik geht es viel mehr um die kooperative Initiierung und Verwirklichung gemeinsamer Ideen, Prinzipien und Ziele. Während Freinet in der Zwischenkriegszeit etwa für die Einführung der Schuldruckerei (Drucken von Texten und Zeitungen der Kinder mit Lettern und Druckpresse) bekannt geworden ist, werden heute in der Freinetbewegung und bei uns neben der klassischen Freinet-Druckerei zahlreiche andere, auch elektronische Medien zum freien Ausdruck und zur Kommunikation eingesetzt. Im Mittelpunkt der für Freinet typischen Zielsetzungen steht die Entwicklung und Entfaltung der Kinder als aktive, gleichwertige und gleichberechtigt mitbestimmende Mitglieder der Gesellschaft.
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Seien wir ehrlich: Wenn man es den Pädagogen überlassen würde, den Kindern das Fahrradfahren beizubringen, gäbe es nicht viele Radfahrer. Bevor man auf ein Fahrrad steigt, muss man es doch kennen, das ist doch grundlegend, man muss die Teile, aus denen es zusammengesetzt ist, einzeln, von oben bis unten, betrachten und mit Erfolg viele Versuche mit den mechanischen Grundlagen der Übersetzung und mit dem Gleichgewicht absolviert haben. Danach - aber nur danach! - würde dem Kind erlaubt, auf das Fahrrad zu steigen. Oh, keine Angst vor Übereilung, ganz ruhig. Man würde es doch nicht ganz unbedacht auf einer schwierigen Straße loslassen, wo es möglicherweise die Passanten gefährdet. Die Pädagogen hätten selbstvertständlich gute Übungsfahrräder entwickelt, die auf einem Stativ befestigt sind, ins Leere drehen, und auf denen die Kinder ohne Risiko lernen können, sich auf dem Sattel zu halten und in die Pedale zu treten. Aber sicher, erst wenn der Schüler fehlerfrei auf das Fahrrad steigen könnte, dürfte er sich frei dessen Mechanik aussetzen. Glücklicherweise machen die Kinder solchen allzu klugen und allzu methodischen Vorhaben der Pädagogen von vornherein einen Strich durch die Rechnung. In einer Scheune entdecken sie einen alten Bock ohne Reifen und Bremse, und heimlich lernen sie im Nu aufsteigen, so wie im übrigen alle Kinder lernen: ohne irgendwelche Kenntnis von Regeln oder Grundsätzen grapschen sie sich die Maschine, steuern auf den Abhang zu und ... landen im Straßengraben. Hartnäckig fangen sie von vorne an und - in einer Rekordzeit können sie Fahrrad fahren. Übung macht den Rest. Später dann, wenn sie besser fahren wollen, wenn sie einen Reifen reparieren, eine Speiche richten, die Kette wieder an ihren Platz setzen müssen, dann werden sie - durch Freunde, Bücher oder Lehrer - lernen, was ihr ihnen vergeblich einzutrichtern versucht habt. Am Anfang jeder Eroberung steht nicht das abstrakte Wissen - das kommt normalerweise in dem Maße, wie es im Leben gebraucht wird - sondern die Erfahrung, die Übung und die Arbeit. Verlasst zu diesem Jahresanfang die Übungsräume: steigt auf die Fahrräder!
aus: Célestin Freinet, pädagogische Texte |

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Der freie Ausdruck
Die Kinder werden angeregt und haben stets die Möglichkeit, sich auszudrücken, etwa durch Bilder, Texte, darstellende Gestaltungen…. Diese Ausdrucksformen dienen der Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und der Kommunikation mit anderen und somit der Entwicklung der Kinder und werden von LehrerInnen nicht beschränkt und korrigiert.

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Arbeit
Die Arbeit als gewollte und selbst geplante Lösung von Aufgaben. Freinet stellte die Arbeit in den Mittelpunkt seiner Erziehung. Für uns bedeutet das, dass die Kinder die Aufgabenstellungen in der Schule als solche wahrnehmen, zu denen sie sich bewusst und willentlich entscheiden. Ihnen ist das Ziel dieser Arbeit bewusst und es ist ihnen entsprechende Mühe wert, dieses Ziel zu erreichen. Für Freinet war geistige und manuelle Arbeit gleichwertige und auch in der Schule zu erlebende und erlernende Form der Verwirklichung von Menschsein.

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(Bildquelle)
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Material und Raumgestaltung
Auch in der Freinetpädagogik wird versucht, die Arbeitsumgebung anregend zu gestalten, so dass die Kinder freudvoll und selbständig arbeiten können. Für Freinet typische Lernmaterialien, sind Karteien, mit denen die Kinder auch bei uns individuell und selbständig lernen. Von der räumlichen Gestaltung entsprechen unsere Ateliers der Freinetpädagogik. Wir haben solche zu Sachthemen, zum Werken, zum bildnerischen Gestalten und zum Drucken eingerichtet.

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Entdeckendes
Entsprechend Freinets „Natürlicher Methode“ soll die Neugierde und der Forschungsdrang der Kinder angeregt und diesen Kräften freier Lauf gelassen werden. Dabei sollen die Kinder die Wirklichkeit intuitiv, (auch körperlich) aktiv, kooperativ, ihrer Natur entsprechend (im Gegensatz zu überkommenen Schulmethoden) erforschen und sich Wissen aneignen und Fertigkeiten erlernen.

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Öffnung nach außen - die auf Mitbestimmung zielende Öffnung gegenüber der Gesellschaft:
Die Schule soll in der Freinetpädagogik nicht primär die Reproduktion des traditionellen „Schulwissens“ betreiben, sondern die Kinder mit dem aktuellen Geschen in der Welt konfrontieren. Das bedeutet auch, dass das Lernen und arbeiten sehr wesentlich auch außerhalb des Klassenzimmers geschieht beziehungsweise in die Schule aktuelles Material und Medien mitgebracht werden und Menschen „von draußen“ eingeladen werden.

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Projekte - individuelle und kooperative Projekte
Wesentliche Merkmale der Freinetpädagogik kommen bei der Arbeit an Projekten zum Tragen: Die Wahl eines Themas, das Setzen von Zielen, das Entwickeln von Lösungsstrategien, Probieren und Arbeiten, die Auseinandersetzungen mit der Realität auch außerhalb von Schulbüchern und Schulgebäude, die Recherche in verschiedenen Medien, die Kooperation und schließlich die Präsentation der Ergebnisse.

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Präsentation vor den Anderen
Ein wichtiger Teil der Arbeit ist auch die Präsentation der Ergebnisse. Mit einigem Stolz werden in unseren regelmäßig stattfindenden Präsentationsrunden Texte vorgelesen, Bilder und Werkstücke gezeigt, erlernte Rechenarten vorgeführt, Ergebnisse von Recherchen zu einem Sachthema mitgeteilt und vieles mehr. Die Kinder, die ja oft sehr individuell arbeiten, gliedern so ihre Arbeit in die Gemeinschaft ein und bekommen auch die Anerkennung der Anderen.

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Demokratie und Mitbestimmung, z.B. im Klassenrat
In vielen Bereichen des Zusammenlebens und Arbeitens können und sollen die Kinder die zu treffenden Entscheidungen machen und verantworten. Eine wesentliche Institution dieser Mitbestimmung ist der wöchentlich stattfindende und in der Regel von einem Kind (als DiskussionsleiterIn) geleitete Klassenrat. Hier haben alle Kinder die Möglichkeit, Vorschläge, Wünsche, Kritikpunkte und Beschwerden vorzubringen. Die Klasse ist dann das Beschluss fassende Gremium, in dem die Kinder Demokratie in der Praxis erleben und üben.

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Aktiver Umgang mit Medien
Freinet ist dafür berühmt geworden, Medien wie die Zeitung in die Schule gebracht zu haben. Sein Bestreben, den Kindern einen selbstbewussten und aktiven Umgang mit Medien zu ermöglichen, hat für uns heute wohl mindestens genauso viel Relevanz. Unsere Kinder holen sich aus Büchern und Zeitungen genauso Informationen wie aus dem Internet. Sie gestalten aber auch selbst zum Beispiel Schülerzeitungen und Radiosendungen, setzen also diese Medien aktiv ein, um sich mitzuteilen. So lernen sie die Wirkungsweisen kennen und werden dadurch auch weniger manipulierbar. |
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